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New York Red Bulls – D.C. United

Fussball in den USA! Also, richtiger Fussball. Elf gegen elf und zwei Mal 45 Minuten. Damit hatte der europäische Besucher kaum gerechnet – und bekam gleichzeitig eine gehörige Portion Amerika geboten.

Es ist der Home Opener, der Heimspiel-Auftakt der Saison 2013, für die New York Red Bulls. Zwei Spiele hatte man zu Anfang der Saison in der Fremde austragen müssen und dabei lediglich einen Punkt geholt. Doch die Zuversicht der New Yorker Fans ist schon vor dem Spiel riesig, und es geht ausgerechnet gegen die Erzrivalen von D.C. United. Man hat da noch eine Rechnung offen seit dem Scheitern gegen die Haupstädter in den Play-Offs 2012.
Für 12.30 Uhr war der Beginn der Partie angekündigt, so interpretierte jedenfalls der europäische Besucher die angegebene Anstoßzeit. Um im Vorfeld schon etwas amerikanische Fussball-Fan-Stimmung zu erleben, fand man sich bereits über zwei Stunden vor dem Anpfiff im El Pastor ein, einer schmuddeligen Kneipe in Harrison, New Jersey. In direkter Nähe war vor einigen Jahren die Red Bull Arena errichtet worden. Die Kneipe in Stadionnähe ist der Treffpunkt des Empire Supporter Clubs, der ältesten Fangruppierung bei den Red Bulls. Es gab sie schon zu den Zeiten, als die Red Bulls noch die Metrostars waren. Der Name wechselt, der Verein bleibt …
In der Kneipe herrscht reges Treiben, und auch auf dem Hof wird das Bier pitcherweise ausgeschenkt. Die europäischen Hopper sind offenbar nicht die einzigen Gäste an diesem Spieltag: ein anderer Besucher präsentiert stolz seinen costa-ricanischen Fanschal.
Schließlich ist es Zeit, zum Stadion zu wandern. Etwa zehn Fußminuten muss man dorthin zurücklegen, zunächst über eine Stahlbrücke, die über einen verdreckten Kanal führt, dann geht’s weiter durch eine trostlose Industriebrache. Leere Grundstücke, mit hohen Zäunen umgeben. In einiger Entfernung ragt das Stadion auf wie ein gelandetes Ufo, nicht weit davon scheinen einige alte Backsteingebäude vor sich hin zu rotten.
Autos rollen über die einzige Zufahrtstraße auf die nahen Parkplätze am Stadion, auf einem abgesperrten Weg vorm Stadion geben Balljongleure und knallaute DJs ihr bestes, um das Publikum in Fussballstimmung zu bringen.
Vor dem Hauptportal der Arena angekommen, präsentiert sich das Stadion mit einer langweiligen Fassade, die auch einem Kaufhaus gut stünde. Viel Glas, dunkler Marmor und graue Lamellen. An den Ticketschaltern vorbei, die auffällig wenig frequentiert sind, geht es zum Gate C.
Keine Schlange vor dem Tor, freundlich begrüßen uns die Kontrolleure, wünschen ein schönes Spiel. Und schon steht man unter der Tribünen-Unterseite, bestaunt das Gewirr aus Stahlträgern, Rohren, Gittern und Treppen. Ganz offensichtlich stand beim Bau dieses Stadions die Funktionalität im Vordergrund. Auf überflüssige Verzierungen oder Verkleidungen kann man da natürlich verzichten.
Einmal die Reihe der Verpflegungsbuden abgelaufen, stellt man fest: das Stadionbier verkneift man sich hier besser. 12 Dollar soll das große Kaltgetränk kosten, 9 Dollar das kleine Bier. Kein Wunder, dass sich die Supporter schon lange vor Spielbeginn ihre Pitcher im El Pastor genehmigen.
Im Block angekommen stellt der Besucher fest, dass im Nachbarblock schräg dahinter die Auswärtsfans von D.C. United untergebracht sind. Während der Rest des Stadions noch stimmungsmäßig im Tiefschlaf scheint, wedeln die Hauptstädter wie wild ihre Fahnen und besingen ihren Club. Für den Altonaer sind deren schwarz-weiß-rote Farben übrigens sehr viel vertrauter als die der Red Bulls.
Erstaunlich: das Stadion ist nicht mal zur Hälfte gefüllt, doch die Stadionuhr zeigt an, dass es nur noch rund 15 Minuten bis zum Anpfiff sind und zählt die Zeit weiter runter. Merkwürdig aber auch, dass sich die Mannschaften noch in aller Seelenruhe auf dem Rasen aufwärmen. Während die letzten Minuten ablaufen, wird den europäischen Besuchern klar – 12.30 Uhr ist nicht die Anstosszeit, sondern der Start der großen Show vorm Anpfiff …
Plötzlich werden Feuerwerksbatterien auf dem Rasen platziert, die Mannschaften verschwinden in den Kabinen. Und los geht das Home Opening! Fallschirmspringer segeln aus großer Höhe Richtung Stadion, geraten außer Sicht und scheinen es fast schon verfehlt zu haben, als sie plötzlich unter dem Jubel des Publikums in einer scharfen Kurve auf dem Rasen laden. Sie bringen den Spielball, werden von Feuerwerksalven umrahmt. Nun kehren die Mannschaften auf den Rasen zurück, unter neuerlichem Abfeuern von Raketen.
Sie nehmen Aufstellung, denn es folgt eine rockige Version der amerikanischen Nationalhymne, gespielt von Musikern des Broadway-Musicals „Rock of Ages“. Geht noch mehr? Ja, es geht … Noch einmal schwebt ein Fallschirmspringer Richtung Stadion, entfaltet eine US-Flagge und landet sicher mitten auf dem Rasen. Jubel und noch mehr Feuerwerk!
Eine gewaltige Rauchwolke hing danach im Stadion, wie man sie in Europa nur von heftigem Pyro-Einsatz kennt. Schade, denn so war von der Choreographie der Red-Bulls-Fans zunächst wenig zu erkennen. Auf großen Bannern zeigten sie das Motto des heutigen Spiels: „Revenge is here!“ Rache für das Aus in den Playoffs in der vergangenen Saison.
Und nun war es tatsächlich so weit, es wurde wirklich Fussball gespielt. Gut zur Hälfte ist das Stadion gefüllt, als der Schiedsrichter die Partie anpfeift. Und das Publikum ist begeisterungsfähig, macht Stimmung und ist dankbar für jede auch nur halbwegs gelungene Aktion auf dem Platz.
Denn das Niveau des Matches ist mehr als mäßig, es fällt schwer, sich diese beiden Truppen auch nur in der Dritten Liga vorzustellen. Dabei kickt in den Reihen der New Yorker ihr Kapitän Thierry Henry. Doch seine besten Zeiten scheinen vorbei, Henry ist darauf bedacht, am gegnerischen Strafraum auf ein Zuspiel zu warten. Kommt das nicht, oder wagt gar ein Mitspieler selbst zu schießen, beschwert sich der Alt-Star. Doch bei einem mißglückten Fallrückzieher bejubeln ihn die Fans, als hätte er gerade mit einem Tor des Monats die Meisterschaft gesichert.
Stattdessen steht es 0:0, vieles ist Zufall, Stückwerk, Pässe gelangen nicht ans Ziel, landen im Aus, beim Gegner und umgekehrt. Zeitweise hat es Slapstick-Charakter, wie der Ball wie beim Billard von einem zum anderen prallt. Ein Sitznachbar, der unvorsichtigerweise fragt, wie uns das Spiel gefällt, bekommt eine ehrliche Antwort – und wechselt danach kein Wort mehr mit uns.
Noch vor Ende der ersten Hälfte beginnt es zu schneien. Mit dem 0:0 geht es in die Pause, und hier fallen nun endlich ein paar Tore: mehrere Jugendmannschaften kicken deutlich erfolgreicher als die Profis gegeneinander. Die sehen offenbar auch nicht zu, denn auch in Halbzeit finden sie nicht den Weg zum Tor. Einige Chancen, vor allem für die Red Bulls, immer wieder Anfeuerungsrufe von den Rängen: „Let’s go Red Bulls!“ Ein Lattenkracher, noch zwei, drei gute Gelegenheiten. Allein, es nützt nichts.
Die Revanche endet nach 90 Minuten nur mit einem Teilerfolg – diesmal hat man gegen D.C. United nicht verloren. Der Home Opener endet torlos.

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